Diana Ivanova stellt das Motto der OFFENEN GÄRTEN 2026 vor.
Wie kann das Ahrtal zu einem gemeinsamen, aufblühenden Garten werden?
Inspiriert vom Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz – “Die Goldenen Zwanziger“ – blicken wir nicht nur zurück. Wir fragen uns auch: Wie wird unsere Zeit einmal erzählt werden?
Ich weiß, dass die aktuelle Weltlage vielen Menschen Sorgen bereitet. Die Gefahr neuer Kriege, gesellschaftliche Unsicherheiten und die Erfahrung von Krisen begleiten unseren Alltag. Vor diesem Hintergrund mag es für manche beinahe vermessen erscheinen, von einem „Erblühen“ zu sprechen.
Und doch glaube ich daran.
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist vieles wieder aufgebaut worden. Gleichzeitig wissen wir heute, dass die sichtbaren Schäden oft schneller verschwinden als die unsichtbaren. Erinnerungen, Verluste und Erschöpfung begleiten viele Menschen bis heute.
Gerade deshalb ist ein Garten ein besonderer Ort. Er erinnert uns daran, dass Wachstum Zeit braucht. Dass Heilung nicht erzwungen werden kann. Und dass neues Leben dort entsteht, wo Menschen sich begegnen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas pflegen.
Die Offenen Gärten der Ahr sind 2023 aus einer spontanen Initiative entstanden. Sie sind kein Verein und keine Organisation. Sie sind ein lebendiges Netzwerk von Künstlerinnen und Künstlern, Hobbygärtnern, Naturfreunden, Musikerinnen, Autoren und engagierten Menschen. Vor allem aber sind sie ein Experiment – ein Versprechen, ein Gedicht und ein Raum für Begegnungen.
„Das Ahrtal erblüht“ steht 2026 für die Möglichkeiten, die trotz der Flut entstanden sind: neue Netzwerke, ein wachsendes Bewusstsein für Natur und Nachhaltigkeit, neue Formen der Gemeinschaft, gelebte Solidarität und das Bedürfnis nach Nähe.
Mit den Offenen Gärten möchten wir zeigen, wie viel Kraft in kleinen, lokalen Gemeinschaften liegt. Sie sind oft die Orte, an denen Vertrauen wächst und Zukunft beginnt.
Unsere Veranstaltungsreihe lädt dazu ein, gemeinsam zu träumen, Fragen an die Gegenwart und Zukunft des Ahrtals zu stellen und sich Zeit zu nehmen – zum Zuhören, Gärtnern, Musizieren, Schreiben, Malen oder einfach zum Dasein.
20 Veranstaltungen – von Antweiler bis zur Mündung der Ahr in den Rhein – laden dazu ein, das Ahrtal neu zu entdecken.
Erstmals bieten wir zwei Masterclasses an: mit dem europaweit bekannten Gartendesigner Peter Berg in Sinzig sowie mit den Permakultur- und Selbstversorgerinnen Doris Schmitten und Ute Müller in Insul.
Außerdem erwarten euch sieben Gartenkonzerte mit Stephan Maria Glöckner, Anna Katharina May, der Klezmer-Frauen-Band Niealldoh, der Bonner Cajun-Band Le Clou à quatre sowie Workshops, Lesungen, Führungen und Wanderungen.
Wir laden euch herzlich ein, das Ahrtal fünf Jahre nach der Flut neu zu erleben – als Landschaft, als Gemeinschaft und vielleicht auch als einen Garten, der uns alle verbindet.
Diana Ivanova
Kuratorin