Freude, ein Nachmittag unter Freunden

Juli 27, 2026 | #austausch, #garten, #personal, 2026

Heather Meurer über die Veranstaltung “Die goldenen Zwanziger” und über die goldenen Momente, die wir alle einfangen sollen, jetzt!

Das Wetter war uns hold. Golden war der Sonntag. Unter dem Blätterbaldachin uralter Apfelbäume, sonnenlichtgesprenkelt, lau und lauschig liessen wir uns von den “goldenen Zwanziger” verzaubern. Der Begriff allein ruft ein Bild, ein Gefühl, eine Stimmung hervor: Musik, Tanz, Freiheit, Be-freit-heit, Nacktheit, Zügellosigkeit, Sexualität, eine Abkehr von den alten, engen, verstaubten Moralvorstellungen, ein Überbordwerfen der bisher geltenden Grenzen von Anstand und Ehre, eine Entfesselung, ein Bedürfnis das Leben voll auszukosten, bevor es zu spät ist.

Natürlich wissen wir rückblickend, stark von Babylon Berlin coloriert, dass diese Ausschweifungen, die Leute aus aller Welt angezogen haben, die Künstler jeglichen Genres inspiriert haben, im Grunde eine Reaktion auf die vorangegangen Jahren, geprägt wie sie waren vom Krieg, Verlust, Armut, Angst, und auch dass keineswegs alle Menschen sich erlauben konnten dem eigenen Vergnügen vollends nachzugehen. 

Unsere Gastgeber Claudia Schmitz und Florian Trummer hatten im Vorfeld viel Arbeit gemacht und verwöhnten den Stuhlkreis von ca 30 begeisterten Zuhörern indem sie Einblicke in den damaligen Geschehnissen, sowohl in Berlin als auch in der Eifel (Preußisch-Siberien!) sogar in dem zum Garten gehörenden Prachtgebäude “Alte Bahnmeisterei” gewährten. Auszügen aus Geschichtsbüchern, aus der Literatur, eigene Gedanken, eloquent vorgetragen, alles untermalt vom Gesang und Akkordeonspiel von Frank Beilstein erweiterten unsere Vorstellungen und machten alles noch lebendiger. Es war mehr als kurzweilig, es war Kurt-Weill-ig. Ja, die Lieder und Melodien kannten wir auch alle. So nachhaltig sind die “goldenen Zwanziger”.

Hundert Jahre später befinden wir uns wieder in den Zwanzigern. Es ist auch nicht so golden wie die Legenden und Mythen der 1920er Jahre uns von ihrer Zeit glauben lassen wollen. Corona, die Flut, um uns zerfällt die Welt wie wir sie kennen, Unsicherheit und Bedrohung machen sich breit und doch entsteht Hoffnung. Aus der Asche kann das Ahrtal erblühen …. man sieht es an der Zusammenhalt in der Not, an die Idee von Diana Ivanova dieses Projekt “Offene Gärten an der Ahr” ins Leben zu rufen. Buchstäblich an die Unmengen Mohnblumen, die sich im Ahrtal recken und strecken seitdem die Flut die Samen so großzügig verteilt hat.

Im letzten Jahrhundert haben die Menschen sich goldenes geschaffen um den Pessimismus auszublenden, abzuwehren. An uns liegt es jetzt ähnliches anzustreben. Nicht dass wir die Tragödie, den Tod, die Trauer vergessen oder klein reden, aber wir können eine Stunde vergolden, einen Nachmittag, eine Woche. Lasst uns gemeinsam das Sonnenlicht genießen, eine Sternennacht mit gestreckten Nacken bestaunen bis es uns schwindelig wird, mit Freunden, alt und neu, erzählen und lachen, Fremde anlächeln, uns auf Neues einlassen, die Beine hochlegen und die Bügelwäsche liegen lassen.

Woran erinnert sich der Mensch? Eigentlich an die goldenen Momente. Fangen wir an, gerade diese einzufangen und zu schätzen.

DAS AHRTAL ERBLÜHT!

DAS AHRTAL ERBLÜHT!

Diana Ivanova stellt das Motto der OFFENEN GÄRTEN 2026 vor. Wie kann das Ahrtal zu einem gemeinsamen, aufblühenden Garten werden? Inspiriert vom Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz – "Die Goldenen Zwanziger“ – blicken wir nicht nur zurück. Wir fragen uns...